Von Pandas, Äpfeln und anderen Mysterien: die unendliche Jagd auf Google

Google, der Apfel und andere Mitspieler

Google, der Apfel und andere Mitspieler

Was macht eigentlich eine Suchmaschine, wenn sie nicht sucht? Was geschieht, wenn eine Suchmaschine versucht, mehr zu sein, als das, was sie ist? Warum wird eine Suchmaschine plötzlich zur Gejagten und dann selbst zum Jäger?

Vor einiger Zeit wurde ich leicht belächelt, als man entdeckte, dass ich mir für den Begriff „Google“ einen Alert gesetzt habe. Und ja, ich google sogar nach dem Wort „Google“ Warum? Ganz einfach: Selten gehe ich über die normale Google Startseite auf die Suche nach Informationen, Neuigkeiten und den Antworten auf meine Fragen. Somit nehme ich oft gar nicht sofort wahr, wenn sich wieder etwas verändert hat.

Außerdem ist manch eine Veränderung der Suchmaschine gar nicht immer auf Anhieb zu erkennen. Schön, wenn andere das in eigenen Worten erklären. Und da in den vergangenen Wochen so einiges geschehen ist, möchte ich zum Start in die neue Woche einen Rückblick geben, der nur der Suchmaschine gewidmet sein soll. Warum gerade jetzt?

Mir ist aufgefallen, dass Google gerade die Gemüter vieler Nutzer erhitzt:

  • Die armen SEO-Farmer haben Angst vor der Rache des Panda.
  • Ein großer Fensterhersteller feiert große Käufe und kam somit dem Suchgiganten zuvor.
  • Das Buch der vielen Gesichter zeigt sein Janus-Gesicht und zettelt PR-Streit an.
  • Das Obst, das seinerzeit Newton zu seinem “Heureka” -Erlebnis verhalf, läuft dem Suchmaschinengiganten seinen Weltrang in der Markenwelt ab.
  • Die Suchmaschine selber jagt mobilen Trends hinterher und erschafft die Vorstufe einer Eier legenden Wollmilchsau.

Und ganz nebenbei werden die Nutzer von allerhand neuen Eindrücken überrascht, wenn sie sich vom allwissenden Big Brother durch die Weiten des Netzes jagen führen lassen.
Aber beginnen wir ganz von vorn:

Google jagt schlechten Content

In Angst und Schrecken versetzte uns vor Kurzem das sog. Panda-Update, auch Farmer Update genannt. Es ist nicht das erste seiner Art. Farmer Updates gab es schon einige – allerdings griff die Suchmaschine dieses Mal ganz besonders hart durch. Google verkündete die Veränderung des ohnehin hoch-amöben Suchalgorithmus. Ziel: Webseiten mit qualitativ hochwertigen Inhalten werden von nun an besser ranken als jene, die die Spielregeln des Pandas nicht befolgen.

Noch gilt diese Verschiebung der SERPs für englischsprachige Suchanfragen, wird sich bestimmt auch auf den deutschsprachigen Raum ausweiten. Ganz gleich aber, ob es noch nicht über den großen Teich geschwappt ist oder schon morgen auch hierzulande als Pandas Ankunft von den einen gefeiert und den anderen gefürchtet wird: Die Hintergründe der Neuerungen und die verschärften Ansprüche an Inhalte, die ins Netz geschossen werden, sollten immer und egal ob auf einem Blog oder einer Webseite schon längst Standard sein.

Wer nicht blind dem besten Ranking und dem neusten Algorithmus hinterherläuft und versucht, auf SEO-unethische Weise Nutzer auf seine Seite zu bekommen locken, sondern ganz nach dem Google-Motto “User First” seine Inhalte mit der Brille des Users aufbaut, wird sich auch in Zukunft behaupten. FAZIT: Content is King – aber nur, wenn er Mehrwert stiftet, es der Eigene ist, nicht von Farmen geerntet wurde, mit Werbung und Keywords zubetoniert wurde, sowie in Sachen Design und Social Media-Vernetzung durchdacht ist.

Microsoft macht Jagd auf Google

Microsoft-Chef Steve Ballmer zeigte sich in Kampfeslaune, als er verkündete, Microsoft habe den VoiP Dienst Skype gekauft. Für 8,5 Milliarden US-Dollar ging der Deal über den Tisch. Von Seiten des Internet-Telefondienstes wurde die Übernahmen eher nüchtern verkündet. Für Steve Ballmer steht eine neue Zukunft der Echtzeit-Video- und Sprachkommunikation bevor. Ein Rückschlag für Google, der ebenfalls mit dem Online-Telefondienst geliebäugelt hatte.

Aber auch andere stehen dem Megadeal durchaus kritisch gegenüber: Nutzer von microsoft-fremden Betriebssystemen. Bei ihnen schrillen sofort die Alarmglocken. Was geschieht mit Skype-Anwendungen auf Geräten, die nicht auf die Fenster-Betriebssysteme setzen?  Microsoft-CEO Steve Ballmer versprach, dass sich vorerst für alle nichts ändern würde und man dafür sorgen werde, dass Skype nicht nur für Windows-Betriebssysteme einsetzbar sein wird. FAZIT: Skype wird weiterhin „verfügbar“ sein für alle Geräte und Betriebssysteme, die nicht aus dem Hause Microsoft stammen… Verfügbarkeit aber heißt nicht Usability und Gesamtumfang neuer Anwendungsmöglichkeiten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Google macht Jagd auf Windows

Google-Mitgründer Sergey Brin stellte das neuen Chromebook vor und mit diesem revolutionären Gerät die Existenz von Windows auf dem Desktop/ auf Laptops infrage – ja, man geht  noch einen Schritt weiter: Der Suchmaschinen-Gigant erklärte das Ende der PC Ära zugunsten eines völlig web-basierten Modells. Schnell, günstig und immer überall online und garantiert ohne Microsoft. So wurden diese und viele weitere Vorzüge des neuen hauseigenen Notebook präsentiert.

Google liefert die Software, Samsung und Acer die behebergenden Rechner. Was genau das Chrome-Betriebssystem leisten kann, werden wir sehen. Vielversprechend klingen die selbst gegebenen Vorschusslorbeeren schon.Um das Vertrauen zu stärken, wurde auf der Entwicklerkonferenz Google I/ O 2011 nicht nur das neue Notebook umworben, sondern der überarbeitete Browser Google Chrome und das neue Betriebssystem Chrome OS.

Facebook macht Jagd auf Google

Wer sich in so viele fremde Fahrwasser begibt, muss sich über weitere Angriffe und Neider Konkurrenten nicht wundern. Ein Big Player, der gerade ganz vorne dabei ist sein möchte, versucht seit einiger Zeit selbst eine Suchmaschine zu werden. Auch wenn man ein so wichtiges Rädchen im Web-Getriebe ist, sollte man vielleicht doch nicht unbedingt Sand in die Getriebe der anderen streuen – nicht, wenn man nicht daran denkt, dass es gerade der E-Mail-Verkehr ist, der schon so vieles hat auffliegen lassen und nicht wenige Kopf und Kragen kostetet.

Dieses Mal war es Facebook. Das Zuckerberg’sche Imperium beauftrage die PR-Agentur Burson-Marsteller, hier und da die Achillesferse des Big Brothers des Internets anzuprangern. Die Kampagne sollte den Datenschutz in Frage stellen, der auch so schon immer wieder kritisch hinterfragt wird. Der Angriff flog auf und wurde zum PR-Gau, der nach hinten losging. Aber Verzeihen ist ja eine der Grundtugenden… mal sehen, wie lange dieser Faux Pas Nachwehen haben wird.

Apple jagt Google

Ein weitere Ego-Knacks dürfte dem Such-Imperium wohl der Verlust seines Throns in der Welt der Marken bereitet haben. Apple löst Google in diesem Jahr als wertvollste Marke der Welt ab. Die 6. Auflage der BrandZ-Markenwert-Studie des internationalen Marktforschers Millward Brown verweist den Such-Primus nach 4 Jahressieegen in Folge auf den 2. Platz. Mit einem Minus von 2% kann die Suchmaschine “nur” noch einen Wert von 111,5 Mrd Dollar vorweisen. Steve Jobs’ Imperium erkämpfte sich mit 153,3 Mrd US-Dollar die Pole Position. Bronze ging mit einem 100 Mrd Dollar-Wert an IBM.

Jagd auf altes Design

Wer möchte sich schon gerne als altbacken und wenig abwechslungsreich präsentieren? Neben all dem hin-und her Gejage verändert die Suchmaschine nicht nur ihren Suchalgorithmus, sondern auch das Design. So testet man derzeit, wie Suchergebnisse ohne die uns bekannten Unterstreichungen aussehen und wie eine neue Farbgebung ankommen könnte.

Ob ein neuer Blauton und mehr Weißraum zwischen den Suchergebnissen zu veränderten Klickraten führen, einfach nur neuer und schicker aussehen soll oder Platz für mehr Werbung lassen soll, sei mal in den Raum gestellt. Aber darüber ob und wann wir das neue Design tatsächlich bewundern dürfen, wird derzeit noch spekuliert.

Fazit: So ein paar visuelle Veränderung machen auf jeden Fall mehr Spaß als die Angst vor Pandas und bösen Verleumdungen von sozialen Netzwerken. Diese Neuigkeiten sind für den einen spannend, für den anderen hoch relevant, für wieder andere maximal nett zu wissen. Mir beweisen die doch sehr unterschiedlichen Neuigkeiten rund um die Mega-Suchmaschine aber, dass es sich durchaus lohnt, Augen und Ohren offen zu halten, an der Google am Ball zu bleiben und den Alert auf Google selbst ruhig weiter laufen zu lassen.