Die 5 größten Irrtümer bei Webtext

Webtext ist Suchmaschinenfutter. Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wie lange ich das und die daraus resultierende Wichtigkeit von Webtext predige. Dennoch stoßen wir immer wieder auf Irrtümer und Mythen rund um Webtext, die sich tapfer halten. Hier meine ganz persönliche Hitliste:

  1. Kann ich das Text-Futter für Google nicht in weißer Schrift auf weißen Seiten verstecken?
    NEIN. Ja, man konnte das mal. Das war, als im Netz noch Dinosaurier grasten und Suchmaschinen froh um jedes Futter waren, dass sie nur irgendwie finden konnten. Doch hinter Suchmaschinen stecken helle Köpfe, und die haben seit der Steinzeit des Internets gelernt. Zum Beispiel, dass Weiß auf Weiß oder Doorwaypages BÖSE sind. Und daher eigentlich ausgestorben sein sollten.
  2. Ist eine Seite nicht viel schöner, wenn sie nur ganz wenig Text enthält?
    MÖGLICHERWEISE. Aber ganz abgesehen davon, dass Google eine gewisse Mindestanzahl an Wörtern finden will, eine Gegenfrage: Würden Sie einer Zeitung, zum Beispiel dem Standard, Kompetenz zutrauen, wenn sie nur ganz wenig Text schreiben würde? Eben nicht. Daher gilt auch für Ihren Webtext: Wenn Sie Ihren Lesern den Eindruck von Kompetenz vermitteln wollen, müssen Sie visuell für die richtige Information sorgen. Die einfache Formel lautet: Viel Text, viel Kompetenz.
  3. Liest das eigentlich irgendjemand?
    Antwort 1:
    JA, MITUNTER. Es ist richtig, dass User im Internet eher „scannen“ als lesen. Daher soll Webtext auch keine strukturfreie Bleiwüste sein, sondern ein locker strukturierter, immer wieder durch griffige Headlines unterbrochener Text. So gehen Sie sicher, dass die wichtigen Dinge auch beim Scannen hängenbleiben.Antwort 2:
    JA, GANZ SICHER. „Für den, den´s interessiert, is es das höchste“, sagte meine Oma immer. Dass diese Weisheit zutrifft, wissen wir aus vielen Jahren CheckEffect Messung. Sie glauben gar nicht, wie lange manche User auf Ihrer Website sind! Und Sie glauben erst recht nicht, wie lange sie sich auf einer Einzelseite aufhalten! Werfen Sie doch einen Blick in Ihre Zahlen.
    Für die Wissbegierigen unter Ihnen gibt es am Ende des Blogeintrags dazu noch ein kleines Rechenbeispiel.
  4. Webtext wird nur für die Suchmaschine geschrieben.
    NÖ. Leben Sie von Gästen im Hotel oder von Google-Crawlern auf Ihrer Website? Richtig, von Gästen. Daher wäre es auch Schwachsinn, einzig und allein auf die Bedürfnisse von Suchmaschinen getrimmten Text anzubieten. Denn der wäre dann ausschließlich toll für Suchmaschinen, würde aber keine Gäste ins Hotel bringen. Und das will schließlich keiner.
  5. Webtext klingt komisch
    JA. Denn Webtext zeichnet sich dadurch aus, dass er einfache Formulierungen wählt und statt langen „Wurmsätzen“ gerne auf kurze Sätze setzt. Das ist nicht, was wir von Kafka kennen. Aber Kafka hatte auch nicht damit zu kämpfen, dass seine Zielgruppe auf Bildschirmen liest. Manchmal sogar auf iPhones. Und dass neben der Lektüre der Texte noch zahlreiche andere Reize auf ihn einprasseln. Musik aus dem Radio zum Beispiel, der Chef der nicht bemerken soll, dass man gerade Urlaub in Ihrem Hotel plant. Bei so viel Ablenkung neben dem Lesen ist es nicht sinnvoll, kafkaeske Sätze zu konstruieren. Lieber ein bisserl einfacher, dafür wirkungsvoll.

Für alle, die nachrechnen wollen: Pro Minute erfasst ein Leser rund 160 Wörter. Webtexte sind durchschnittlich 250 Wörter lang. 1 Text dauert also keine 2 Minuten. Aus den CheckEffect-Daten für die österreichische Ferienhotellerie* in der 4-Stern-Kategorie wissen wir, dass ein Leser im Durchschnitt 11,25 Minuten auf einer Website verbringt. Zeit genug, rund 6 Seiten vollständig zu lesen. Mit 6 Seitenimpressionen pro Sitzung rangieren Sie schon in der Oberliga: Die Top-Werte in genannter Vergleichsgruppe liegen bei 6,5 besuchten Seiten!

*anonymer CheckEffect-Benchmark, erhoben am 22.09.2009